Landesentwicklung braucht neue Ausrichtung
Kreisparteirat begrüßt Ausbau der
Kindertagesstätten
Zur intensiven Beratung trafen sich die
Ortsvereinsvorsitzenden und Kreisvorstandsmitglieder
sowie Arbeitskreisvorsitzenden der SPD zum Parteirat
in Bernkastel-Kues. Im Mittelpunkt standen das
Landesentwicklungsprogramm IV, die Kinderbetreuung
und der Besuch des DRK Sozialwerkes.

Zunächst informierte sich das Gremium in der
Behindertenwerkstatt des DRK-Sozialwerkes, wo
Geschäftsführer Manfred Brand die stetig positive
Entwicklung und Bedeutung der Einrichtungen für
Menschen mit Behinderungen seit 1971 aufzeigte.
Vorsitzender Dieter Burgard sagte die weitere
Unterstützung, wie zuletzt beim Aufbau eines
Integrationsbetriebes in Wittlich, zu und dankte
Manfred Brand persönlich für sein jahrzehntelanges,
engagiertes Wirken zum Wohle der Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter.

Der Kreisparteirat würdigte in der anschließenden
Sitzung den Ehrenvorsitzenden Rudi Brück, der zum
80. Geburtstag die höchste Landesehrung der SPD in
Gold erhielt. Ortsvereinsvorsitzende Maria Bölinger
gab einen aktuellen Lagebericht zum gastgebenden
Ortsverein, der SPD Bernkastel und der
Verbandsgemeinde.
Positiv bewertete der Parteirat die Resonanz zur
Mitgliederbefragung zum neuen Grundsatzprogramm, zu
dem Andrea Nahles, MdB und Präsidiumsmitglied auf
Bundesebene am 26. Juni, 19.00 Uhr in Wittlich
(Hotel Lindenhof) spricht. Schwerpunkt des
öffentlichen Diskussionsabends ist der vorsorgende
Sozialstaat.
Eine weitere Informationsveranstaltung bietet die
SPD der Region am 4. Juni, 19.00 Uhr zum Thema
"Landesentwicklungsprogramm IV" mit Innenminister
Karl Peter Bruch in der Mehrzweckhalle Badem an.
Der Kreisparteirat der SPD sieht die Notwendigkeit
eines Ersatzes des Landesentwicklungsprogrammes III
durch ein LEP IV, da sich neue Entwicklungen und
Notwendigkeiten ergeben haben, so durch das
Wirtschaftsgebiet um den Hahn und die
Bevölkerungsentwicklung.
Dieter Burgard kritisiert die meist pauschalen,
unsachlichen Diskussionen der CDU in einzelnen
Kommunen, die Resolutionen anstatt konkrete
Änderungsvorschläge ans Land schicken. Die IHK sieht
LEP IV im Gegensatz zur CDU diese eher als zu
zaghaft an. Es wird von den Abgeordneten Bettina
Brück und Dieter Burgard darauf hingewiesen, dass es
sich um einen notwendigen Diskussionsprozess
handelt, der extra von Landesseite zeitlich
verlängert wurde. Bettina Brück: "Ich kann die
Kritik in einigen Bereichen ja verstehen, aber was
teilweise in den kommunalen Räten an Äußerungen zum
LEP IV gesagt wird, ist überzogen und wird der Sache
nicht gerecht."
Mit der Neuaufstellung des
Landesentwicklungsprogramms IV wird eine
Entscheidung über die Weiterentwicklung der
Gemeinden für die nächsten 15 Jahre getroffen. Umso
wichtiger ist es , dass sich die Kommunen intensiv
mit der Thematik auseinander setzen und ihre
Argumente in die Waagschale werfen. Bei einer stetig
sinkenden Bevölkerung kommen dabei ganzheitlichen
Dorferneuerungskonzepten, Maßnahmen zur Stärkung der
Innerortsbereiche, eine sparsamer und schonender
Flächenverbrauch bei der Ausweisung von Bau- und
Gewerbegebieten besondere Bedeutung zu. "In Zukunft
müssen wir die Herausforderung meistern, bestehende
wichtige Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten
oder Sporteinrichtungen bei sinkender Auslastung mit
wirtschaftlich tragbaren Konzepten aufrecht zu
erhalten. Gute Ideen sind gefragt", so der
Kreisvorsitzender Dieter Burgard.
Im LEP IV werden bewusst Leitlinien zur Entwicklung
vorgegeben und die Gemeinden aufgefordert, diese mit
Leben zu füllen und sich für ihre eigene,
individuelle Entwicklung zu engagieren. LEP IV
beeinträchtigt nicht die kommunale Selbstverwaltung.
Themen, die von überregionaler und landesweiter
Bedeutung sind, müssen landesweit koordiniert gelöst
werden, damit Fehlentwicklungen und
Nutzungskonkurrenzen vermieden werden. Hier baut das
Land auch auf den Sachverstand und die
Planungskompetenz der Kommunen.
Zentren im ländlichen Raum werden noch stärker wie
bisher bereits im neuen LEP IV zur Kooperation
verpflichtet, um für die langfristige Sicherung der
Einrichtungen der Daseinsvorsorge Sorge zu tragen.
Fördermittel des Landes müssen gezielt und nach
Schwerpunkten sortiert einsetzen. Der Förderung
konkreter Vorhaben ist zukünftig ein interkommunal
abgestimmtes Handlungskonzept zu Grunde zu legen.
Dabei sei erwähnt, dass Kommunen schon heute in
vielfältiger Weise miteinander kooperieren. Die
Kooperation ist zum Erhalt von Einrichtungen der
Daseinsvorsorge wichtig für die Sicherung und
Zukunftsfähigkeit des ländlichen Raums. Durch das
LEP IV werden hinsichtlich der anstehenden
Verwaltungs- und Gebietsreform keine Entscheidungen
vorweg genommen. Es ist bewusst offen angelegt. Die
SPD ist bereit am 4. Juni im Kreistag konstruktive,
finanzierbare und sinnvolle Vorschläge zum LEP IV
aus Kreissicht auf zu stellen und mit zu tragen.
Mit großem Bedauern nahm der Kreisparteirat die
Entscheidung von Verteidigungsminister Dr. Jung
(CDU) zur Kenntnis den Bundeswehrstandort
Traben-Trarbach zu schließen. Seine Vorgänger, so
Dieter Burgard, Rudolf Scharping und Peter Struck
hatten sich als Minister stets gemeinsam mit den
SPD-Politikern vor Ort und des Landes für den
Bestand des Amtes für Wehrgeophysik eingesetzt.
Mit Innenminister Karl Peter Bruch konnten auf
Anregung von Bettina Brück Vertreter der Region
konkret über Auswirkungen einer Schließung
diskutieren und erste Zusagen des Landesregierung am
"runden Tisch" vor Ort bekommen, so Mittel aus dem
Konversionshaushalt zum Ausgleich des
wirtschaftlichen Verlustes.
Die Themen Kinderkrippen und die Finanzierung für
Krippenplätze standen beim Parteirat ebenso auf dem
Programm. Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung
für alle Kinder ab dem 1. Geburtstag schafft echte
Wahlfreiheit für Eltern. Klar ist, dass es gerade im
Landkreis Bernkastel-Kues gilt, neue
Kindertagesstättenplätze für unter Dreijährige
flächendeckend auf zu bauen und die Kosten auch vom
Bund mit zu tragen sind. "Erst wenn der
Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung ab dem
ersten Geburtstag verbunden mit
Qualitätsverbesserungen der Krippen und Kindergärten
und einer schrittweisen Beitragsfreiheit Realität
ist, erst dann haben alle Eltern eine echte
Wahlfreiheit zwischen häuslicher und außerhäuslicher
Betreuung ihrer Kinder. Erst dann haben Eltern eine
echte Wahlfreiheit zwischen schneller Rückkehr in
den Beruf und einer längeren Erziehungszeit", ist
für Bettina Brück eindeutig. Rheinland-Pfalz ist
aktuell Vorreiter: der Rechtsanspruch auf einen
Kindergartenplatz ab zwei Jahren ist ab 2010
gesetzlich verankert, die Kindertagesstätten werden
ständig qualitätsorientiert weiterentwickelt und der
Einstieg in die schrittweise Beitragsfreiheit ist
erfolgt.
Günter Rösch berichtete als Fraktionsvorsitzender
aus der Arbeit des Kreistages, wo Anträge und
Anfragen der SPD zu den Themen Schulentwicklung
Traben-Trarbach, Mülltransport und Jugendtaxi im
Kreistag aktuell zur Diskussion stehen.
Erfolgreich waren, so Dieter Burgard, das gemeinsame
Vorgehen gegen die NPD-Aktivitäten in Gonzerath.
Nach der breitgetragenen Kundgebung vom 3. März gilt
es nun Informationsveranstaltungen zum
Rechtsextremismus anzubieten und versuche der NPD in
anderen Gemeinden ansässig zu werden, zu bekämpfen.
Die SPD wird mit der Friedrich-Ebert-Stiftung zum
Thema "Vom Rand zur Mitte" über Tendenzen zum
Rechtsextremismus eine Veranstaltung mit Dr. Dietmar
Molthagen im Juli durchführen. Hinweisen auf
rechtsextreme Äußerungen und Aktionen sollen mit
rechtstaatlichen Mitteln konsequent nachgegangen
werden. "Die SPD geht gegen den wachsenden
Rechtsextremismus konsequent vor, auf Landes- wie
auch auf Kreisebene. Das sind wir auch den Opfern
des Nationalsozialismus und den Gründern unseres
demokratischen Landes schuldig," so Burgard
abschließend.