SPD-Arbeitnehmer
gegen den neoliberalen Zeitgeist
Große
Unterstützung für Parteichef Kurt Beck - Motto:
"Gute Arbeit - Sicherheit im Alter -
Gemeinsam für Gerechtigkeit"
KASSEL.
Bei der Bundeskonferenz der Arbeitsgemeinschaft
für Arbeitnehmerfragen (AfA) wurde Ottmar
Schreiner aus Saarlouis mit 97 Prozent in seinem
Amt als Bundesvorsitzender bestätigt. Der
Landesvorsitzende der AfA Rheinland-Pfalz, Alfred
Klingel, wurde neu in den 21köpfigen
Bundesvorstand gewählt. Die Konferenz behandelte
unter anderem auch zwei Anträge aus dem Kreis
Bernkastel-Wittlich.
So
beantragten die Bernkastel-Wittlicher, dass die
Berufsausbildungsförderung auch auf ältere
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausgeweitet
werden solle. Darüber hinaus soll der Gesetzgeber
die rechtlichen Rahmenbedingungen für
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer so verändern,
dass diese einen Rechtsanspruch darauf haben, ihre
Kinder zunächst zu einer Betreuungsstätte
bringen und anschließend zur Arbeit gehen zu
können. Beide Anträge wurden jeweils fast
einstimmig angenommen. Aus dem Kreisverband
Bernkastel-Wittlich nahmen Regina Becker
(Zeltingen-Rachtig) und Marcus Heintel (Morbach)
als Delegierte in Kassel teil.
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Von
links: Kurt Beck, Regina Becker, Otmar
Schreiner und Marcus Heintel. |
Zu
Beginn der Konferenz begrüßten Hessens
SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti und DGB-Chef
Michael Sommer die Delegierten. Dem schloss sich
ein Referat von Olaf Scholz, Bundesminister für
Arbeit und Soziales an, in dem er die Eckpunkte
sozialdemokratischer Sozialpolitik in der Großen
Koalition skizzierte. Am zweiten Konferenztag
stand der Vormittag ganz im Zeichen der Rede von
Kurt Beck. Der SPD-Vorsitzende erhielt von den
AfA-Delegierten einmütige Zustimmung für seine
Ausführungen und seinen politischen Kurs, einige
Redner forderten ihn sogar dazu auf, sich schon
jetzt für die Kanzlerkandidatur bereit zu
erklären. Ebenso beeindruckend war das Grußwort
des Vorgängers Ottmar Schreiners im Amt des
AfA-Bundesvorsitzenden, Rudolf Dreßler.
Schwerpunkt
der Konferenz war neben der Neuwahl des
Bundesvorstandes die inhaltliche Ausrichtung der
AfA. Im mit großer Mehrheit vom Bundesvorstand
vorgelegten Leitantrag "Gute Arbeit -
Sicherheit im Alter - Gemeinsam für
Gerechtigkeit" nahmen die
Arbeitnehmervertretung klar Stellung: Das Ziel
müsse auch weiterhin die Vollbeschäftigung sein,
das Wirtschaftswachstum müsse stabilisiert und
die aktive Arbeitsmarktpolitik auf Gute Arbeit
ausgerichtet werden, unter anderem mit den in
einigen Bundesländern bereits eingeführten
"Tariftreuegesetzen". Außerdem gab es
ein eindeutiges Bekenntnis der SPD-Arbeitnehmer
für eine gerechte Bezahlung und den gesetzlichen
Mindestlohn für alle Branchen. Gute Arbeit heiße
aber auch, die Arbeitnehmerrechte nachhaltig zu
sichern, Mitbestimmung und Teilhabe zu
gewährleisten und insbesondere die prekären
Arbeitsverhältnisse zurückzudrängen, indem
Leiharbeit, unbezahlte Praktika und die Befristung
von Arbeitsverträgen begrenzt werden. Neben der
Zustimmung zu der Forderung,
sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu
stärken, um so der Altersarmut vorzubeugen, gab
es daher eine klare Ablehnung zur "Rente mit
67". Vielmehr müsse die Rentenversicherung
in eine Erwerbstätigenversicherung umgewandelt
werden, in der durch die Einbeziehung der gesamten
Erwerbsbevölkerung, also auch der
Selbstständigen und Beamten, eine gerechte
Erweiterung der Finanzierungsbasis den Folgen
eines veränderten Altersaufbaus begegnen kann.
Die gesetzliche und betriebliche Altersversorgung
soll die Sicherung des Lebensstandards im Alter
gewähren, die private Vorsorge soll dagegen
ausschließlich der individuellen Gestaltung
unterliegen.
Zum
Abschluss der Konferenz betonte Ottmar Schreiner,
dass es nach vielen Jahren wieder einmal so
gewesen sei, dass man mit den Ausführungen des
Parteivorsitzenden sehr einverstanden sein könne.
Das war unter den Vorgängern Schröder,
Müntefering und Platzeck nicht so gewesen. Beck
hingegen sei der Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmern und Arbeitslosen zugewandt und
verfolge eine grundsozialdemokratische Politik,
für die er volle Unterstützung erhalte.